Superdesign schlägt Wellen

Marc Newson redet über Luxusdesign und was ihn dazu bewogen hat, ein Retro-Speedboat neu zu erfinden

In Australien geboren und jetzt in London zu Hause - Topdesigner Marc Newson bringt mit seinem Entwurf für das Aquavira Speedboat in  Zusammenarbeit mit Officina Italiana Design sowohl Erotik als auch Retroästhetik in die Welt der Luxusyachten. Nur 22 Aquarivas werden von Marc Newson gebaut und durch die Gagosian Gallery verkauft.  

Newson ist der letzte in einer Reihe von Designern, die das Meer entdeckt haben. Niemand geringerer als Philippe Starck und Norman Foster haben exklusive, äußerst luxuriöse Yachten in den letzten Jahren konzipiert. Das mit 130 m lange und 5.959 Bruttoregistertonnen schwere Schiff "A" Yacht, wurde 2008 fertig gestellt und an den russischen Milliardär Andrej Melnitschenko für einen Preis von 300 Millionen Dollar verkauft und ist seitdem das Thema Nummer 1 unter Yachtfreunden. Newsons Speedboat kann mit der Yacht von Starck, was die Größe betrifft, vielleicht nicht mithalten, aber Stil hat es auf jeden Fall.

"Ich kannte Riva schon während meiner Kindheit in Australien: Es war die Verkörperung von Jet-Set-Glamour der 60er: Riviera, Portofino, Agha Khan, Bardot," sagt Newson. "Wenn Sie mich gefragt hätten, als ich 15 Jahre alt war, was das berühmteste und schönste Boot der Welt sei, hätte ich ohne Zögern den Riva Aquarama genannt. Als der Vorschlag in den Raum gestellt wurde, das Aquariva neu zu interpretieren, packte ich die Gelegenheit beim Schopfe."

Die Beziehung zwischen Newson und Gagosian hat Tradition. Er war der erste Designer, der 2007 an der Gagosian Gallery in New York 2007 ausstellte. Mit dem Speedboat erweitert der 47jährige seinen Arbeitsbereich, der schon ein Flugzeug-Interieur für den A380 von Qantas und das 021c Konzeptauto von Ford umfasst.

Die glatten, nahtlosen Linien des 10 Meter langen Aquariva verbinden Retrostil mit futuristischer Design-Ästhetik. "Das Boot sollte etwas Zeitloses haben, aber gleichzeitig sehr elegant und sehr, sehr cool aussehen," sagt Newson, der Materialien aussuchte, die für Luxusboote eher ungewöhnlich sind und wirklich anders sind als herkömmlich glänzendes Chrom. 
Aquariva wird aus einem Phenolharzlaminat gebaut, das wie Holz aussieht. Newson verzichtete bewusst auf Stahl und verwendete stattdessen eloxiertes Aluminium, das dem Boot ein glatteres Äußeres gibt und es ermöglicht, eine Spitzengeschwindigkeit von 41 Knoten zu erreichen.

Den ersten Erfolg verbuchte Newson bereits 1986 mit seinem wegweisenden Aluminiumlehnstuhl "Lockheed Lounge". Seitdem hat er Möbel, Armbanduhren und Interieurs entworfen.  Newson ist für  technologische Experimentierfreudigkeit bekannt und sein Werk umfasst so unterschiedliche Projekte wie Konzeptdüsenflugzeuge und Surfbretter. Seine Objekte erzielen hohe Preise. Der Lockheed Lounge-Stuhl wurde vor einigen Jahren bei Sotheby’s für 968.000 Dollar versteigert. Es war damals der höchste jemals erzielte Betrag für die Arbeit eines noch lebenden Künstlers.

Newson ist für seine scharfsinnige, originelle Einstellung zum Luxusdesign bekannt, die sich in den glatten Linien des Aquariva Bootes klar wiederspiegeln. "Luxus an einem Objekt besteht darin, dass es eine langlebige Qualität hat und kein Wegwerfprodukt darstellt," sagt er. Newson, dessen Arbeit eine großartige Vielfältigkeit aufweist, gibt zu, dass er sich an keiner konsequenten Designphilosophie festhält: "Ich arbeite wirklich wie ein Künstler und ich habe sicherlich eine Beziehung zum Kunstbetrieb, aber ich arbeite auch wie ein Designer. Mir fehlt einfach das Bedürfnis, mich innerhalb bestimmten kreativen Grenzen zu bewegen." In mancher Hinsicht versucht Newson, die modernistische Doktrin umzukehren, indem er sich vorstellt, wie etwas aussehen soll und dann als nächsten Schritt, das Objekt genau nach seiner Vorstellung kreiert. "Manchmal geht es in die Richtung, die dir vorgeschwebt  hat, manchmal in die Entgegengesetzte," fügt er vielsagend hinzu.

Zurzeit ist der Designer mit einer Reihe von Aufträgen  beschäftigt: Interieurs für Privatjets, Schmuck für Boucheron, Armbanduhren für Jaeger le-Coultre und Ikepod sowie Entwürfe für Dom Perignon. "Ich bin nicht nur von der menschlichen und mechanischen Bewegung fasziniert," offenbart er. "Alles, was entworfen werden muss, was verbessert werden kann, zieht mich an."

Newson hat den Ruf, ein angesagter Designer zu sein. Als der Lockheed-Lounge-Stuhl erschien, wurde Newson, der in seiner Freizeit surft, quasi als  Rockstar unter den Designern gefeiert. "Ich hasse das Etikett und fühle mich überhaupt nicht wie ein Rockstar: Mein Lebensstil ist auch nicht mit dem eines Rockstars vergleichbar," sagt er. "Designer zu sein, ist noch ein sehr pragmatischer Beruf. Es ähnelt eher dem eines Zimmermanns. Als Designer habe ich eine Verbindung zur zeitgenössischen Kultur. Wenn Sie das nicht haben, sind Sie bedeutungslos."

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