Jo Groebel - Die Eleganz des deutschen Mannes

Im Klischee ist der deutsche Mann eher unelegant. Für Angehörige der freiwilligen oder unfreiwilligen Freizeitkultur gilt das sicher genauso wie für große Teile der selbsternannten Bildungselite.

Die ersten sind Opfer der Ratlosigkeit gegenüber einer zu großen Auswahl an Farben und Formen sowie sadistischer Designer von Dreiviertelhosen. Befreit aus früheren Standeszwängen der Eintönigkeit, gefangengenommen vom Mangel an Stilempfinden. Die zweiten glauben irrtümlich, dass Eleganz die Intelligenz korrumpiere, und peinigen uns mit ihren eigenen Kleidungscodes des Grauens: Müffeljackets, falsche Krawatten, Übelschuhe. Demgegenüber hat mit der GQ das Land wieder eine geistreiche Plattform für Stil gefunden, exportiert Deutschland eine Mannesmode, die, wenngleich in der Breite nicht zwingend wertig, immerhin anständig flott daherkommt. 

Auch wenn der bewusste Boss sie bestenfalls in der Selection-Linie wählt. Tollkühner da schon ein Baldessarini, ein Wolfgang Joop, eine Jil Sander, Kilian Kerner und viele jüngere Wilde bis hin zu den Streetwearern der Bread & Butter oder, wenn gut, eines Michi Michalsky. Gemein ist ihnen allen, dass sie zur Kategorie der Designer gehören, Form und Funktion kombinieren, aber nicht zeitlos sind. Für junge Modebewusste toll, für den handwerklichen Perfektionisten nicht unbedingt. Der wird (noch) eher angesprochen von der Handarbeit der Italiener, Franzosen, Engländer, Amerikaner: Kiton, Attolini, Zegna Couture, Arny’s, Hermès, bezahlbar konfektioniert Hackett, Tom Ford (gefertigt von Zegna?! Egal, genial!). Sorry, die deutschen Regent  superb verarbeitet, aber immer noch, trotz toller Experimente, mit der Aura des soliden Biedermanns behaftet.
  
Und dann die Maßschneider, das Paradies: Anderson & Sheppard, Caraceni, Cifonelli. Wer spielt in dieser Liga in Deutschland mit? Max  Dietl? Fehlanzeige? Einsendungen willkommen. Immerhin sind einige Traditionsrevoluzzer unterwegs, die in Deutschland alte Eleganz wieder aufleben lassen und weiterführen mit der Assoziation des  Dandys, Elegants und Flaneurs, den Deutschland sehr wohl mal kannte. Man denke an die Traditionen des Pferderennens von Berlin-Hoppegarten, das soeben ein Berlin-Londoner wieder aufleben lässt, die Renaissance des Zylinders nicht nur für Iffezheim, nein, er möge lässig getragen wieder die Hauptstadt zieren. 

Inzwischen greifen zitierend einige Modemacher, sei es als Erben oder Nachempfindende, das Beste deutscher Herrengewandung auf. Hemdenschneider wie  Ignatious Joseph, Krawatten-, Einstecktuch- und Schleifenmacher wie Edsor Kronen, Anzugfans mit 1930er-Inspiration wie Herr von Eden. Die besten von ihnen, wie ein Jan-Henrik M.Scheper-Stuke  und sein Pariser Model-Freund Sammy, vereinigen sich in ihrer Leidenschaft fürs Dandytum und ihren kongenialen Namen mit Künstlern Berlins wie Max Raabe oder Henry de Winter. Vielleicht unterschiedlich erfolgreich, jedoch gemeinsam ungemein sympathisch. Denn dem wahren Herren, dem deutschen, ist die Kleidung nicht Hülle, sie setzt fort und signalisiert seine innere Überzeugung: Experimentierfreude, Stilsicherheit, Charme, Ritterlichkeit und Intelligenz! Das ist dann nicht mehr Nostalgie, das ist auch nicht kaltes Marketing. Ein später umstrittener Mode-Baron, Freiherr von Eelking hat deren Vielfalt in Worte des frühen 20.Jahrhunderts gefasst, die, kaum noch bekannt, Lust auf die Wiederkehr des Beschriebenen machen, Galoschen, Turf-Zylinder, Cigarre mit ‚C‘, Homburg. Den zitieren Hiphopper ironisch, aber genau das ist doch schon was. So erträgt man vielleicht sogar Jan Delay. 

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