Jet Set 2.0

Über Luxus in Zeiten des World Wide Web

Rennboote, Heliports, Ferraris, Luxushotels in mediterranen Gefilden. Das verband man in den Sechzigern mit dem Begriff Jetset. Er ist nahezu verschwunden. Selbst in den Hauspostillen eitler Glamouristen taucht er nur noch selten auf. Globales Reisen geht dank Billigfliegern für jeden, ist vielen eher Pein. Denn der Inbegriff des Jetsets, weltweites Verbundensein der Trendsetter auf hohem Niveau ist heute ungleich schneller und spontaner möglich. Im Web. Und dabei viel demokratischer.

Die Lust am physisch greifbaren Luxus allerdings ist nicht in den virtuellen Welten verschwunden. Eher paart sich beim Jetset.2 die greifbare Welt mit der digitalen. Sei es, dass man Exklusives aus jedem Ort mit einem Fingertipp auf den Touchscreen finden und erwerben kann. Den Goyard-Bag, die Kieselstein-Cord-Schnalle, die Laura Chavin. Oder man sich blitzesschnelle das beste Hotel bucht. Oder eben seine geschmackssicheren Freunde gleich im Netz trifft, per ASW, Facebook oder Xing. Und auch die Bibeln des Stils sind virtualisiert. Vogue.com, thedailybeast, Tatler. Rund um anspruchsvolle Marken entstehen gar eigene soziale Welten, Sie besuchen gerade eine.Eine gute Gelegenheit, die Frage nach dem Luxus im 21.Jahrhundert zu stellen. Fast zum Klischee verkommen war die Antwort ‚Zeit‘, als materieller Luxus besonders in Deutschland in schlechter alter asketisch-protestantischer Tradition verpönt war. Signalisierte die Antwort doch zugleich das permanente Schaffen ohne Muße. Vergessen wurde und wird dabei, dass das edle Gut durchaus wichtige Funktionen hat. Die korrespondieren mit grundlegenden menschlichen Bedürfnissen. Und sind im Jetset.2 dem Geschmackssicheren viel leichter zu kanalisieren. Apropos Schaffen. Was in früheren Zeiten dem Hofe vorbehalten war, steht im Kleinen jetzt jedem offen.

Das Vergnügen an maßstabsetzendem Handwerk auf höchstem Niveau. Dies hat in der Berührung eine körperliche Komponente. Wer das Deckblatt einer edlen Zigarre streichelt, sie leicht drückt, wer über den Lack eines vielschichtig bearbeiteten Fahrzeugs geht, kennt den physiologischen Genuss. Man spürt das angenehme Kribbeln. Der geistige Anteil kommt ins Spiel, wenn man das Werk einzuordnen und wertzuschätzen weiß. Die Ästhetik der Form. Die Tradition des Erzeugers, die früheren Kunden, seine Philosophie. Alles zu finden im Internet. Das hat nichts mit plattem Marketing zu tun. Die besten Produkte entstehen aus einer Überzeugung heraus, aus Liebe zum Detail, nicht aus nüchternem Marktkalkül.

 

Die besten Produkte
entstehen aus einer Überzeugung
heraus, aus Liebe zum Detail,
nicht aus nüchternem Marktkalkül.

 

Bei Hermès zeugen auch im Massenprodukt die Nähte des Leders, die Oberflächen immer noch von allererster Qualität. Und die schafft die Brücke zur emotionalen Seite. Denn zur Bewunderung kommt die Möglichkeit des Souveränen hinzu, mit dem Besitz seine Freude nach außen zu zeigen. Ja stolz zu sein auf das Erworbene. Dass es schon im Kleinen, sehr Bezahlbaren geht, zeigt der Markt, der mittlerweile selbst um Chanel- und Hermès-Tüten auf ebay entstanden ist. Mit ein paar Euro ist man dabei und flaniert dann statt mit einem It-Bag stolz betütet über die Boulevards. Unfreiwillig komisch vielleicht, aber doch auch wieder rührender Beweis der Wertschätzung einer traditionsreichen Firma.

Am anderen Ende der Finanzskala steht, das ist nicht zu verhehlen, das Signal, sich mit Macht statusdemonstrierend alles leisten zu können. Noch mehr PS, die noch größere Yacht. Oligarchen und Neureiche im Geiste wissen, wovon ich spreche. Hoffen wir, dass sie's auch genießen. Früher war auch mal die Cigarre Machtsymbol gewesen. Bis zur Lächerlichkeit in Stummfilmen karikiert. Doch das ist vorbei. Gottseidank! Bleibt das wohlige Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die soziale Funktion. In den Zeichen, die man mit der Mode setzt. Oder beim gemeinsamen Rauchen ultimativ. Man erinnere sich seiner Jugend. Na? Richtig, die Friedenspfeife aus den Indianerbüchern. Wie schön, dass wir jetzt selbst unsere Gemeinschaft wählen können. Die so genannten elaborierten Codes, das Wissen um und Zeigen von ausgeklügelten Signalen aus der Welt der Kennerschaft und des Luxus setzen sich im Web fort. Im begeisterten Austausch über die neueste Modekreation, in den einschlägigen Blogs der Szene. Vielleicht sogar mit einer Cigarre vor dem Bildschirm. Selbst per Skype einander sehend. Weltweit. Der neue Jetset muss nicht mehr reisen. Er kann. Ich freue mich auf die künftigen Online-Reisen mit Ihnen!

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