Gerolltes Gold – Helmut Bührle und Laura Chavin

Du wirst noch erkennen, dass Du zu den Wurzeln zurückkehrst, sagte mir mein Vater einmal“, erinnert sich Helmut Bührle. Die Wurzeln, das war das mütterliche Tabakwarengeschäft in Stuttgart und der angeschlossene Handel mit Rohtabaken. Davon wollte der junge Mann damals absolut nichts wissen, stattdessen machte er sich als Designer für Marken wie Hermès, Enrico Coveri und Byblos einen Namen. Doch Ende der achtziger Jahre geschahen zwei Dinge, die Helmut Bührles Lebensweg entscheidend umdirigieren sollten: Die Mutter, Sophie Chavin Bührle, starb, und 1988 wurde die innig geliebte Tochter Laura Chavin geboren. Der zweite Vorname Chavin ist eine Familientradition. „Ich hatte plötzlich das Bedürfnis, etwas zu schaffen, das diesen beiden Menschen Reverenz erweisen sollte. Und ich stellte fest, dass dieses Etwas der Tabak, die Zigarre war. Wenn Du einmal Tabak im Blut hast, lässt er Dich nie mehr los. Mein Vater hatte also Recht behalten.“

 

AUF DER SUCHE NACH BLENDS

Helmut Bührle gründete also 1992 – in Verneigung vor seiner Mutter und Tochter – die Marke Laura Chavin Cigars. Doch es dauerte sechs Jahre des Suchens, Kombinierens und Probierens, ehe Helmut Bührle mit seiner ersten Zigarrenkreation herauskam. Bei guten Tabaken ist es nämlich wie bei Wein-Cuvées, da kommt es auf die Blends an, die richtige Sortenmischung, die für die Füller (die drei Tabakblätter im Ganzen), das Umblatt (die erste Hülle) und das Deckblatt (die oberste Hülle) heranzuziehen ist. 

Ob es sich nun um Wein, Cognac der eben Zigarren handelt – man kann die Dinge massenhaft und industriell produzieren, und man kann es mit Know-how und Achtsamkeit tun. Viele Produzenten verarbeiten den Tabak sofort nach der Pflückung. Doch tatsächlich benötigt ein Tabakblatt fünf Jahre, bis es „reif“ ist. Die Blätter, die Laura Chavin Cigars verarbeitet, sind allesamt mindestens so lange herangereift.

Nach ihrer Herstellung in Handarbeit lagern sie noch im 300 Jahre alten Gewölbekeller von Schloss Hochdorf. Selbstverständlich in Zedernholzkassetten und unter optimalen Luftaustausch-, Feuchtigkeits- und Temperaturbedingungen (dreieinhalbmal pro Stunde, 72 Prozent, 17 Grad). Dann anschließend werden sie auf die internationale Community der Cigar Connaisseurs losgelassen.

Was macht eine „große“ Zigarre aus? Es sind verschiedene Faktoren. Da ist die Herkunft des Tabaks: Nicht nur beim Wein, auch beim Tabak wird von ,,Terroir“ gesprochen. Da ist seine Güte: Je weniger Stengelgut, desto feiner das Tabakblatt. Da ist die Verarbeitung: Longfiller werden aus Teilen ganzer Tabakblätter hergestellt, die billigeren Shortfiller aus gehäckselten Blattstücken. Um die Zigarre aus den einzelnen Blättern zusammenzudrehen, braucht es wiederum die Hände erfahrener ,,Maestros de tabajero“.

„Für mich ist das Geheimnis die richtige Mischung. Es braucht Jahre, ehe man soweit ist, einen richtig guten Blend zu machen“, resümiert Helmut Bührle. Und das Ergebnis? „Ein voller Mund, eine volle Nase, ein Geruch und Geschmack, die mich nicht belasten. Nichts Einsilbiges, nichts Ruppiges, schon gar nichts Kratziges, sondern ein Zusammenlaufen der Sinneswahrnehmungen: Geruch, Geschmack, Haptik. Gerade auch in der Berührung erkennt man die Komplexität der Zigarre.“

 

HUMIDORS UND CIGARIÈRES

Für Helmut Bührle erschöpft sich das Thema Zigarre keineswegs bei dieser selbst. So initiierte er die Entwicklung des handgearbeiteten Humidor-Gestells „Humid’or“ sowie des zigarrengerecht befeuchteten Zigarrenetuis ,,Maison des Cigares“. Ferner im Portefeuille: kunstvoll dekorierte Zigarrendosen aus Ludwigsburger bzw. Rosenthal-Porzellan. „Cigarière“ nennt Helmut Bührle
sie, in Anlehnung an die „tabatière“ genannten Tabakdosen.

Weiteres gibt es „Master of Cigar“-Lounges in ausgewählten Grand Hotels zwischen Baden-Baden, Mallorca und Uppsala, die allesamt mit dem Laura Chavin Humid’or ausgestattet sind. Helmut Bührle: „Das Lounge-Konzept ist auf viele Jahre ausgelegt und auf jeden Fall ausbaufähig. Wir sehen es als ein Refugium der Lebenskultur.“ In einem zunehmend tabakfeindlichen Umfeld wird
man bald sagen müssen: Reservat.

von Harald Sager

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